Besteuerung von 450-Euro-Minijobs im Gewerbe

Einheitliche Pauschale von zwei Prozent oder individuelle Lohnsteuer

Bei 450-Euro-Minijobs dürfen Sie als Arbeitgeber die Art der Besteuerung bestimmen. Sie entscheiden, ob der Minijob pauschal mit zwei Prozent versteuert wird oder individuell nach der Lohnsteuerklasse Ihres Minijobbers. Bitte berücksichtigen Sie dabei die Gesamtsituation Ihres Minijobbers, damit ihm keine Nachteile entstehen.

Bequem für Arbeitgeber – die einheitliche Pauschsteuer

Die einheitliche Pauschsteuer in Höhe von zwei Prozent beinhaltet die Lohnsteuer, die Kirchensteuer und den Solidaritätszuschlag. Das gilt auch für Minijobber, die einer Religionsgemeinschaft angehören, für die keine Steuern erhoben werden. Arbeitgeber zahlen die Pauschsteuer zusammen mit den übrigen Abgaben an die Minijob-Zentrale.

Gut zu wissen

Die einheitliche Pauschsteuer von zwei Prozent stellt die endgültige Besteuerung des Arbeitslohns dar und wird bei der Einkommensteuerveranlagung des Minijobbers nicht berücksichtigt. Dieser kann daher keine Aufwendungen als Werbungskosten abziehen, die bei dem pauschalversteuerten Minijob anfallen.

  • So melden und zahlen Sie die Pauschsteuer

    Als gewerblicher Arbeitgeber melden Sie die Pauschsteuer Ihres Minijobbers monatlich per Beitragsnachweis an die Minijob-Zentrale. Auch Ihre Zahlung erfolgt monatlich per Überweisung oder Lastschriftverfahren.

    Melde- und Beitragsverfahren für gewerbliche Minijobs

    Wichtig zu wissen

    Sie können die einheitliche Pauschsteuer nur wählen, wenn Sie Rentenversicherungsbeiträge für den Minijob zahlen – unabhängig davon, ob Ihr Minijobber für diesen Job einen eigenen Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung leistet.

  • Arbeitgeber oder Minijobber – wer die Pauschsteuer zahlt

    In der Regel zahlen Sie als Arbeitgeber die Pauschsteuer. Sie können diese aber auch vom Verdienst Ihres Minijobbers abziehen, sofern Sie mit ihm einen Bruttolohn vereinbart haben. In diesem Zusammenhang spricht der Fachmann vom Abwälzen der Steuer

    nach dem BAG-Urteil vom 1. Februar 2006 – 5 AZR 628/04

    .

    Nach dem Einkommensteuergesetz sind Sie als Arbeitgeber der Steuerschuldner gegenüber der Einzugsstelle und damit verpflichtet, die Steuer an die die Minijob-Zentrale zu zahlen. Es kommt nicht darauf an, wer die Pauschsteuer letztlich wirtschaftlich trägt.

    Wichtig zu wissen

    Auch wenn Sie die Pauschsteuer vom Verdienst Ihres Minijobbers einbehalten, berechnen sich die Abgaben stets nach der Höhe des beitragspflichtigen Bruttoverdienstes - ohne Abzug der einheitlichen Pauschsteuer. Damit ist der vereinbarte Bruttoverdienst maßgebend für die Sozialversicherung.


    Gut zu wissen

    Gegenüber der Einzugsstelle haben Sie als Arbeitgeber ein öffentlich-rechtliches Steuerschuldverhältnis. Zwischen Ihrem Minijobber und Ihnen als sein Arbeitgeber besteht ein privatrechtliches Arbeitsverhältnis. Ziehen Sie die Pauschsteuer vom Verdienst Ihres Minijobbers ab, ist dies somit kein steuerlicher, sondern ein arbeitsrechtlicher Vorgang.

Die individuelle Besteuerung – direkt mit dem Finanzamt

Wählen Sie eine individuelle Besteuerung für den Minijob, hängt die Höhe des Lohnsteuerabzugs von der Lohnsteuerklasse Ihres Minijobbers ab. Dieses Verfahren ist aufwendiger als die Zahlung der einheitlichen Pauschsteuer an die Minijob-Zentrale.

  • Individuelle Besteuerung und Lohnsteuerklassen

    Bei 450-Euro-Minijobbern mit den Lohnsteuerklassen IIV fällt keine Lohnsteuer an, sofern sie daneben keine anderen Einkünfte haben. In diesem Fall kann eine individuelle Besteuerung vorteilhafter sein als eine Pauschalversteuerung.

    Bei 450-Euro Minijobbern mit den Lohnsteuerklassen V oder VI ergeben sich bereits bei einem geringen Verdienst Lohnsteuerabzüge.

    Beispiel

    Eine nach 1952 geborene Minijobberin verdient monatlich 200 Euro. Sie hat sich von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen. Folgende Steuerabzugsbeträge würden vergleichsweise anfallen:

    Steuerabzugsbeträge

    Jahr 2017

    SteuerklassenPauschsteuer
    I bis IVVVI2 Prozent
    Lohnsteuer für 200 Euro0,00 Euro12,50 Euro24,58 Euro0,00 Euro
    Solidaritätszuschlag0,00 Euro0,00 Euro0,00 Euro0,00 Euro
    Kirchensteuer (9 Prozent)0,00 Euro1,12 Euro2,21 Euro0,00 Euro
    Steuerabzüge insgesamt0,00 Euro13,62 Euro26,79 Euro4,00 Euro
    Nettolohn200,00 Euro186,38 Euro173,21 Euro196,00 Euro

    Ein 1952 oder davor geborener Minijobber, zahlt im obigen Beispiel weniger Steuern, da sie von einem Altersentlastungsbetrag profitiert.



    Wichtig zu wissen

    Bis einschließlich 1950 geborene Arbeitnehmer haben einen Anspruch auf den Altersentlastungsbetrag.



    Gut zu wissen

    Eine individuelle Besteuerung ist nicht immer vorteilhaft für den Minijobber, auch wenn dieser eine Lohnsteuerklasse von IIV hat. Ein Minijobber, der beispielsweise nachträglich steuerlich mit dem Ehepartner zusammen veranlagt wird, kann Nachteile haben.


    Die individuelle Steuer müssen Sie nicht an die Minijob-Zentrale zahlen, sondern an das zuständige Finanzamt. Dort gibt es alle Informationen zur Steuerhöhe, Anmeldung, Zahlung und zu den Fristen.

Pauschale Lohnsteuer in Höhe von 20 Prozent – bei mehreren Beschäftigungen

Sie können eine pauschale Lohnsteuer von 20 Prozent wählen - für 450-Euro-Minijobs, die nicht bei der Minijob-Zentrale, sondern bei der Krankenkasse gemeldet werden.

Wichtig zu wissen

Die Pauschsteuer von 20 Prozent beinhaltet nicht den Solidaritätszuschlag und die Kirchensteuer. Diese müssen Sie als Arbeitgeber zusätzlich zur Lohnsteuer an das Finanzamt zahlen. Auch für diese Besteuerungsart ist das Finanzamt zuständig – nicht die Minijob-Zentrale.


  • Wann Sie 450-Euro-Minijobs bei der Krankenkasse melden müssen

    Dies ist der Fall, wenn Ihr Minijobber

    • zeitgleich mehrere 450-Euro-Minijobs ausübt und damit regelmäßig die zulässige Verdienstgrenze von 450 Euro im Monat überschreitet oder
    • zeitgleich zu einer mehr als geringfügigen Hauptbeschäftigung und einem bei der Minijob-Zentrale gemeldeten 450-Euro-Minijob noch einen zusätzlichen 450-Euro-Job hat. Nur der erste Minijob kann mit zwei Prozent versteuert werden, die übrigen Tätigkeiten werden mit der Hauptbeschäftigung zusammengerechnet.

    Weitere Informationen zur Mehrfachbeschäftigung