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Besteuerung des Arbeitsentgelts aus geringfügigen Beschäftigungen

Das Arbeitsentgelt von Minijobbern ist stets steuerpflichtig. Die Lohnsteuer kann pauschal oder nach den Lohnsteuermerkmalen erhoben werden, die dem zuständigen Finanzamt vorliegen.

Im Falle der pauschalen Besteuerung ist der Arbeitgeber Steuerschuldner. Der Arbeitgeber hat die Möglichkeit, die Steuer bei der Entgeltzahlung am Arbeitsentgelt einzubehalten, so dass in diesen Fällen die Pauschsteuer vom Arbeitnehmer aufgebracht wird. Der pauschal versteuerte Lohn bleibt in jedem Fall bei der persönlichen Einkommensteuerveranlagung des Arbeitnehmers unberücksichtigt.

Wählt der Arbeitgeber für einen Minijob nicht die pauschale Lohnsteuererhebung, so ist die Lohnsteuer vom Arbeitsentgelt nach Maßgabe der Lohnsteuermerkmale, die dem zuständigen Finanzamt vorliegen, zu erheben. Die Höhe des Lohnsteuerabzugs hängt von der Lohnsteuerklasse ab. Bei den Lohnsteuerklassen I (Alleinstehende), II (bestimmte Alleinerziehende mit Kind) oder III und IV (verheiratete Arbeitnehmer/innen) fällt für das Arbeitsentgelt bis 450 Euro keine Lohnsteuer an; bei den Lohnsteuerklassen V oder VI erfolgt hingegen schon bei geringen Arbeitsentgelten ein Steuerabzug.

Nachfolgend werden die maßgeblichen Regelungen dargestellt und erläutert:

Besteuerung des Arbeitsentgelts aus geringfügig entlohnten Minijobs (Minijobs auf 450 Euro Basis)

Neben der Möglichkeit der Erhebung der Lohnsteuer nach den Lohnsteuermerkmalen, die dem zuständigen Finanzamt vorliegen, besteht bei 450-Euro-Minijobs auch die Möglichkeit der pauschalen Lohnsteuererhebung. Das Steuerrecht unterscheidet hier zwischen einer 2-prozentigen einheitlichen Pauschsteuer und einer pauschalen Lohnsteuer von 20 Prozent (zuzüglich Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer).


Einheitliche Pauschsteuer von 2 Prozent
Wird die Lohnsteuer nicht nach den Lohnsteuermerkmalen erhoben, die beim zuständigen Finanzamt hinterlegt sind, ist die Lohnsteuer einschließlich Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer für einen 450-Euro-Minijob mit einem einheitlichen Pauschsteuersatz von insgesamt 2 Prozent des Arbeitsentgelts zu erheben. Voraussetzung ist allerdings, dass er für diese Beschäftigung Rentenversicherungsbeiträge (Pauschalbeitrag zuzüglich Eigenanteil des Arbeitnehmers bei Rentenversicherungspflicht oder Pauschalbeitrag ohne Eigenanteil des Arbeitnehmers bei Befreiung von der Rentenversicherungspflicht) zahlt. In dieser einheitlichen Pauschsteuer ist neben der Lohnsteuer auch der Solidaritätszuschlag und die Kirchensteuer enthalten. Der einheitliche Pauschsteuersatz beträgt auch 2 Prozent, wenn der Arbeitnehmer keiner erhebungsberechtigten Religionsgemeinschaft angehört. Die einheitliche Pauschsteuer wird zusammen mit den sonstigen Abgaben für Minijobs ausschließlich an die Minijob-Zentrale gezahlt.

Die Pauschsteueroption in Höhe von 2 Prozent besteht auch für 450-Euro-Minijobber, die sich in dieser Beschäftigung wegen der Mitgliedschaft in einer berufsständischen Versorgungseinrichtung von der Rentenversicherungspflicht haben befreien lassen. In diesen Fällen entrichtet der Arbeitgeber für seine Beschäftigten (u.a. Ärzte, Apotheker, Anwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer) keine Pauschal- oder Pflichtbeiträge zur Rentenversicherung, sondern einkommensabhängige Beiträge an die jeweilige Versorgungseinrichtung.

Wer zahlt die Pauschsteuer?
Der Arbeitgeber eines Minijobbers darf die Art der Besteuerung bestimmen. Entscheidet er sich für die Zahlung der einheitlichen Pauschsteuer in Höhe von zwei Prozent, hat er die Möglichkeit, die Steuer bei der Entgeltzahlung am Arbeitsentgelt einzubehalten, so dass in diesen Fällen die Pauschsteuer von dem Arbeitnehmer aufgebracht wird.

Die durch das Einkommensteuergesetz begründete Verpflichtung zur Übernahme der Steuerschuld sagt nichts darüber aus, wer die Steuer wirtschaftlich zu tragen hat. Zu unterscheiden ist zwischen dem öffentlich-rechtlichen Steuerschuldverhältnis des Arbeitgebers gegenüber der Einzugsstelle und dem privatrechtlichen Arbeitsverhältnis zwischen dem Arbeitnehmer und dem Arbeitgeber. Behält der Arbeitgeber die Pauschsteuer am Arbeitsentgelt ein, ist das kein steuerlicher, sondern ein arbeitsrechtlicher Vorgang. Auch in den Fällen, in denen eine Bruttolohnvereinbarung vorliegt, darf der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer die Pauschsteuer am Arbeitsentgelt einbehalten.

Die Minijob-Zentrale zieht die einheitliche Pauschsteuer vom Arbeitgeber ein. Er ist Steuerschuldner, so dass eine Inanspruchnahme des Arbeitnehmers ausgeschlossen ist.

Der pauschal besteuerte Arbeitslohn aus dem Minijob und die darauf entfallende pauschale Lohnsteuer werden bei der Einkommensteuerveranlagung des Arbeitnehmers nicht berücksichtigt. Dies gilt auch dann, wenn die Pauschsteuer wirtschaftlich vom Arbeitnehmer getragen wird.

Laut Bundesfinanzhof kommt ein Abzug der vom Arbeitnehmer getragenen Pauschsteuer als Werbungskosten nicht in Betracht. Auch ist es nicht möglich, die Pauschsteuer als negative Einnahme zu behandeln.

Behält der Arbeitgeber die Pauschsteuer am Arbeitsentgelt des Minijobbers ein, hat das keinen Einfluss auf die Sozialversicherung. Es ist nicht zulässig, das vereinbarte Bruttoarbeitsentgelt um die vom Arbeitnehmer getragene pauschale Lohnsteuer zu vermindern und hieran die sozialversicherungsrechtliche Beurteilung bzw. die Beitragsberechnung auszurichten. Für die Sozialversicherung bleibt daher das zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbarte Bruttoarbeitsentgelt maßgebend.

In den Fällen, bei denen die Pauschsteuer vom Minijobber aufgebracht wird, kann es für den Beschäftigten günstiger sein, sich für die Besteuerung nach den individuellen Lohnsteuermerkmalen zu entscheiden.

Bei einem Arbeitnehmer mit der Steuerklasse I, II, III oder IV fällt im 450-Euro-Minijob keine individuelle Einkommensteuer an, wenn daneben keine anderen steuerpflichtigen Einkünfte vorhanden sind. Dies liegt darin begründet, dass die erste Progressionsstufe im Jahr 2016 erst ab einem steuerpflichtigen (Gesamt)Einkommen oberhalb von 8.652 Euro beginnt. Die individuelle Besteuerung kann in diesem Fall für den Arbeitgeber bzw. Arbeitnehmer günstiger sein als die zweiprozentige Pauschsteueroption.

Sind hingegen die individuellen Lohnsteuerklassen V oder VI anzuwenden, würden für einen nach 1951 geborenen Minijobber mit einem Verdienst von 450 Euro (ohne Befreiung von der Rentenversicherungspflicht/Lohnsteuertarif mit voller Vorsorgepauschale) monatlich -zunächst- folgende Steuerabzugsbeträge anfallen:


2016Steuerklasse VSteuerklasse VI
Lohnsteuer für 450 Euro39,50 Euro51,58 Euro
Solidaritätszuschlag0,00 Euro0,00 Euro
Kirchensteuer (9 Prozent)3,55 Euro4,64 Euro
Steuerabzüge insgesamt43,05 Euro56,22 Euro


Bevor man sich für die Individualversteuerung nach der jeweiligen Steuerklasse entscheidet, sollte man in jedem Fall abwägen, ob dies die für den Arbeitnehmer günstigere Alternative im Vergleich zur einheitlichen Pauschsteuer darstellt.

Die Individualversteuerung kann sich im Nachhinein bei Abgabe der Steuererklärung als nachteilig für den Arbeitnehmer herausstellen. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn zu den Einkünften aus dem Minijob weitere steuerpflichtige Einkommen hinzukommen und die gesamten steuerpflichtigen Einnahmen der Progression unterliegen.

Insbesondere bei Ehepaaren besteht die Möglichkeit, dass der auf Grund der Steuerklassenwahl zunächst steuerfreie Lohn aus dem Minijob eines Ehepartners nach Abgabe der Steuererklärung durch die Zusammenveranlagung im Nachgang stärker versteuert wird.

Pauschale Lohnsteuer von 20 Prozent
Hat der Arbeitgeber für das Arbeitsentgelt eines 450-Euro-Minijobs den Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung von 15 Prozent nicht zu entrichten, kann er die pauschale Lohnsteuer mit einem Steuersatz von 20 Prozent des Arbeitsentgelts erheben. Hinzu kommen der Solidaritätszuschlag und die Kirchensteuer nach dem jeweiligen Landesrecht. Hierbei handelt es sich dem Grunde nach zwar auch um 450-Euro-Minijobs, jedoch müssen diese z. B. wegen Zusammenrechnung mit einer Hauptbeschäftigung versicherungspflichtig bei der zuständigen Krankenkasse gemeldet werden. Die Pauschalsteuer ist - anders als die einheitliche Pauschsteuer - nicht an die Minijob-Zentrale, sondern stets an das Betriebsstättenfinanzamt abzuführen.

Besteuerung des Arbeitsentgelts aus kurzfristigen Minijobs

Kurzfristige Beschäftigungen sind stets steuerpflichtig. Die Lohnsteuer kann entweder nach den individuellen Lohnsteuerabzugsmerkmalen (Höhe der Steuer abhängig von der Steuerklasse der Aushilfe) oder unter bestimmten Voraussetzungen pauschal mit 25 Prozent (zuzüglich Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag) erhoben werden.

Die Zahlung von Pauschalsteuer ist nach § 40a Absätze 1 und 4 Einkommensteuergesetz (EStG) möglich, wenn

  • der Arbeitnehmer bei dem Arbeitgeber gelegentlich, nicht regelmäßig wiederkehrend beschäftigt wird,
  • die Dauer der Beschäftigung 18 zusammenhängende Arbeitstage nicht übersteigt,
  • der Arbeitslohn während der Beschäftigungsdauer 68 Euro durchschnittlich je Arbeitstag nicht übersteigt oder die Beschäftigung zu einem unvorhersehbaren Zeitpunkt sofort erforderlich wird und
  • der durchschnittliche Stundenlohn 12 Euro nicht übersteigt.

Ob sozialversicherungsrechtlich eine kurzfristige Beschäftigung vorliegt oder nicht, ist für die Lohnsteuerpauschalierung ohne Bedeutung.

Liegen diese Voraussetzungen nicht vor, muss die Versteuerung anhand der Lohnsteuermerkmalen erfolgen, die dem zuständigen Finanzamt vorliegen. Auch die Pauschalsteuer in Höhe von 25 Prozent ist nicht an die Minijob-Zentrale, sondern stets an das Betriebsstättenfinanzamt abzuführen.

Aus Sicht des Arbeitnehmers

Zu Beginn einer geringfügigen Beschäftigung sollte die Gesamtsituation des Arbeitnehmers bei der Wahl der Besteuerungsform (pauschal oder individuell) mit berücksichtigt werden.

In unseren Ausführungen zum Thema „Besteuerung des Arbeitsentgelts aus geringfügig entlohnten Minijobs (Minijobs auf 450 Euro Basis)“ weisen wir unter der Frage "Wer zahlt die Pauschsteuer?" darauf hin, dass sich eine zunächst günstig wirkende Besteuerung nach den individuellen Steuerklassen I, II, III oder IV nachträglich bei einer Zusammenveranlagung des Minijobbers mit dem Ehepartner ungünstig auswirken kann.


Sind der Arbeitslohn und die darauf entfallende pauschale Lohnsteuer in Höhe von 2 Prozent bei der Einkommensteuerveranlagung des Minijobbers zu berücksichtigen?

Nein. Der pauschal versteuerte Arbeitslohn und die darauf entfallende pauschale Lohnsteuer werden bei der Einkommensteuerveranlagung des Arbeitnehmers nicht berücksichtigt. Dies gilt auch dann, wenn die pauschale Lohnsteuer in Höhe von 2 Prozent vom Arbeitsentgelt abgezogen und somit von ihm selbst aufgebracht wird. Die Pauschalierung stellt somit die endgültige Besteuerung des Arbeitslohns dar. Der Arbeitnehmer kann deshalb auch Aufwendungen, die mit dem pauschal besteuerten Arbeitslohn zusammenhängen, nicht als Werbungskosten abziehen.


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